frage zu hornqualität und bearbeitung

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Isi2022
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Registriert: 05.08.2022, 13:51

frage zu hornqualität und bearbeitung

Beitrag von Isi2022 »

hallo liebe huforthopäden!

als ich mein pferd vor jahren kaufte, kam es mit eher ovalen vorderhufen und ovalen hinterhufen zu mir, vorne beschlagen. die eisen wurden gleich abgenommen und seither ist es barhuf. die hufe sind eher eng und steil, wachsen schnell, die wand ist sehr hart laut mehreren bearbeitern, aber der hufstrahl ist an allen vier hufen wenig und sehr schnell fitzelig und auch mehlig bei nässe, mit taschen ohne flüssigkeit. er wächst nicht genug, um dauerhaft mitzutragen. spätestens 3-4 wochen nach dem termin wächst der tragrand dem strahl davon und der strahl wird immer schlechter und weniger. zufütterung von hufwachstumsförderern und diverse strahlmittel brachten etwas besserung, aber keines dauerhaft.
in den aktuell letzten wochen der trockenheit waren die strähle sehr hart und nicht so stark zerfitzelt. nach 2 tagen nässe mit matsch zerbröselten sie an der oberfläche, es lösen sich größere mehlige fitzeln ab an der fläche und auch in den strahlfurchen, der strahl „verschwindet“ also wieder und das erst 10 tage nach dem letzen termin. das ist bisher immer wieder passiert, egal welcher bearbeiter.

nach einem kurs 2022 zum basiswissen über barhufe kam heraus, dass zudem die ballen gequetscht sind und die hufhälften und trachten unsymmetrisch und zwangartig geformt sind. das kann die strahlproblematik natürlich mitverursachen.
auch die ovalen vorderhufe können laut meiner recherche die ursache für schlechten strahl und unterentwickelte strahlkissen sein, sodass eventuell schon im jungpferdealter der huf, die hufknorpel und das strahlkissen nicht gut entwickelt und ungünstig geformt wurden.
bisher waren hufschmiede und diverse barhufbearbeiter am werk, es gab verbesserungen des strahls an den hinterhufen, vorne nicht so stark. verschlechterungen an den wänden gab es in jüngster zeit (verbiegungen) leider auch. werden bei ihrer methode auch gequetschte ballen behandelt und entspannt? In den letzen jahren haben diverse bearbeiter dies nie als behandlungswürdig erwähnt.
Ich habe mich immer gewundert, dass ein pferd, von dem jeder hufbearbeiter sagt, es hätte hartes wandhorn, so schlechten hufstrahl haben kann. kommt dies öfter vor, hartes wandhorn, schlechter strahl oder kann man ihrer erfahrung nach durch passende hufbearbeitung dem strahl auch bei so einem pferd ermöglichen dauerhaft zu wachsen?
im buch „problemlos eisenlos“ von frau dr. rasch steht auf seite 19, dass manche pferde genetisch bedingt solche sich bei matsch und nässe auflösenden strähle haben. das könnte bei meinem pferd der fall sein.

wenn einfach die anlagen und evtl die aufzucht meines pferdes das alles verursacht haben, haben sie eine empfehlung, worauf in der bearbeitung zu achten ist, um das bestmögliche zu tun?


viele grüße
Astrid Arnold
Beiträge: 87
Registriert: 28.01.2014, 16:07

Re: frage zu hornqualität und bearbeitung

Beitrag von Astrid Arnold »

Hallo,

bei engen schmalen Hufen ist es tatsächlich so, dass häufig der Strahl keinen Bodenkontakt bekommt und die Hufwände schneller nachschieben als es beim Strahlhorn der Fall ist. Dazu kommt, dass Wand Horn nicht "zerrfällt", sondern mechanisch über Hornabrieb oder bei der Bearbeitung gekürzt werden muss. Anders ist es bei allen anderen Hornanteilen des Hufes. Die Hornzellen des Strahlhornes haben so zusagend einen Zerfallszeitpunkt über Enzyme mitgegeben bekommen, die eine Hornalterung steuern und zusammen mit Feuchtigkeit zur Auflösung des Hornes führen. Enzyme aus der Hufumgebung, z.B. die aus dem Pferdemist, können ebenfalls Hornzellen zerfallen lassen.
Sie können da also nicht viel machen, außer das Strahlhorn immer gut Pflegen. Dazu bitte immer milde Desinfektionsmittel verwenden, am Besten geht es einfach nur mit Wasser und Seife gut waschen. Das reinigt gut, entfernt die Umweltenzyme und Keime die zur Fäulnis führen könnten.

Ob bei Ihrem Pferd auch eine Zwanghuf Situation vorliegt, was ja durchaus einen verkümmerten Strahl begünstigt, oder ihr Pferd einfach nur normale enge Hufe hat, kann ich ohne die Hufe gesehen zu haben nicht beurteilen. Vielleicht möchten Sie ja auch noch Bilder von den Hufen Ihres Pferdes hier zeigen.

Wenn bei einem Huf eine Zwanghuf Situation vorliegt würden wir das bei der Bearbeitung immer berücksichtigen. Wenn eine Vernachlässigung des Hufes vorliegt oder die Zwangs- Situation einer unzureichenden Hufbearbeitung geschuldet ist, haben wir auch gute Chancen da etwas zu verbessern. Ist die Situation allerdings der Aufstellung und Nutzung der Hufe geschuldet, dann lässt sich kaum etwas verändern. Mit "Zwangsmaßnahmen" den Huf weiten zu wollen führt eigentlich immer zu einer Verschlechterung und ist genauso schlecht für die inneren Strukturen wie der Zwanghuf selbst.

Da es kein Rezept für die Bearbeitung von engen Hufen gibt, auch kein Zwanghuf- Rezept, ist es kaum möglich Ihnen Bearbeitungshinweise zu geben. Eines wäre bestimmt hilfreich: Nutzen Sie ihr Pferd so viel auf abriebintensiven Böden, dass es sich die Hufwände ständig selbst kurz hält. Das verhindert, dass der Strahl mehr unnötigen Abstand vom Boden bekommt und beugt auch sich verformenden Wänden vor.

Lieben Gruß Astrid Arnold
Isi2022
Beiträge: 3
Registriert: 05.08.2022, 13:51

Re: frage zu hornqualität und bearbeitung

Beitrag von Isi2022 »

liebe frau arnold!

danke für ihre ausführliche antwort! schotterstrecken haben wir einige. leider geht mein pferd auf diesen strecken barhuf verspannt und sucht den wegrand, daher nutze ich hufschuhe zum ausreiten, vorne immer, hinten meistens.

eine bekannte hat mir zu hufschuheinlagen geraten, um den strahl zum wachstum anzuregen. ob das bei diesen hufen funktioniert, weiß ich nicht, da es nur 2-3x/woche beim ausritt wäre. auf der herstellerseite wird zum 24h tragen für mehrere wochen geraten. meine hufschuhe sind dafür aber nicht geeignet, also weiß ich nicht, ob es überhaupt den versuch wert ist.

anbei aktuelle bilder von den frisch bearbeiteten hufen und nach 2 wochen. man sieht schon, dass das strahlhorn nach nässe mehlig zu werden beginnt, das gehtt dann so weiter, bis immer mehr große fitzeln und auch löcher entstehen, der strahl verschwindet zum teil. ein älteres foto zeigt, wie der strahl vorne nach mehren wochen aussieht (zerfleddert, wenig und löchrig). ich weiß mittlerweile, dass zwanghuf-tendenz da ist und dass die hufe unsymmetrisch und mit verbogenen wänden sind. die ballen sind auch nicht entspannt im vergleich zu literaturfotos. die bearbeiter der letzen monate finden die hufe und ballen aber gut und undramatisch. vielleicht bin ich übervosichtig.

wenn es möglich ist, möchte ich die hufe meines pferdes dahin bringe, dass der strahl möglichst gut und intakt mehrere wochen erhalten bleibt, da ich die situation so unbefriedigend finde.

bitte um rückmeldung,vielen dank im voraus,
Isi2022
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Isi2022
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Re: frage zu hornqualität und bearbeitung

Beitrag von Isi2022 »

hier noch die bilder der frisch bearbeiteten vorderhufe.

lg
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Astrid Arnold
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Re: frage zu hornqualität und bearbeitung

Beitrag von Astrid Arnold »

Hallo,

Ihr Pferd hat sehr kleine enge Hufe, aber keine Zwanghufe. Auch die Ballen sehen gut aus, so wie sie eben bei so geformten Hufen sind.
Auch ein Strahlpolster wird hier keine Veränderung bringen, außer dass Sie mit einem 24 Stunden Hufschuh die Hornqualität generell verschlechtern können.
Ich finde die Hufe als kleine enge und steile Hufe sehen doch sehr gut aus. An der "Strahlschwäche" werden Sie nicht viel verändern können. Das muss es aber auch nicht. Der Strahl hier ist genügend stabil, am Huf ist nichts eingerissen.
Eigentlich kann ich Ihnen zu den sehr schön gepflegten Hufen nur gratulieren. Besonders da so steile und enge Hufe oft eine Herausforderung darstellen.

Lieben Gruß Astrid Arnold
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