Kryotherapie nach einer Woche

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Lukka
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Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Lukka »

Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier, in der Hoffnung ihr könnt mir helfen. Ich habe eine 17 Jahre alte Isländerstute, 2016 hatte sie tragend den ersten Reheschub und war daraufhin 2 Wochen in der Klinik. Jetzt nach 8 Jahren hat es sie wieder erwischt. Ich kann mir nicht erklären warum, jedoch versuche ich alles damit es ihr bald wieder besser geht. Sie steht auf Spänen in der Box und hat die Soft Ride Boots an, welche ich damals in der Klinik gekauft habe. Sie ist in tierärztlicher Behandlung, wurde geröntgt und bekommt Metacam. Außerdem hat sie bereits Akupunktur bekommen und morgen versuchen wir noch Blutegel anzusetzen. Die ersten Anzeichen hat sie am 05.02 gezeigt. Seitdem bin ich ununterbrochen nach weiteren Möglichkeiten am suchen um ihr irgendwie helfen zu können. Ich bin auf die Kryotherapie gestoßen, meine Frage daher, würde diese Therapie jetzt nach dieser Zeit noch eine Wirkung zeigen bzw. dürfte man sie noch durchführen?

Liebe Grüße
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Nadja Politz
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Nadja Politz »

Hallo Lukka,

in der Praxis hat sich mehrfach gezeigt, dass die Kryotherapie auch zu späteren Zeitpunkten noch hilfreich sein kann.

Kryotherapie bedeutet max. 3-5°C an Röhr- und Fesselbein 48-72h durchgehend. Es reicht nicht die Hufe zu kühlen oder das Pferd in eine Pfütze zu stellen o.ä.!

Der Clou an der "Kryo" ist, dass die Durchblutung und somit der Stoffwechsel in den unteren Extremitäten durch das Herabkühlen stark gedrosselt wird. So gelangen deutlich weniger reheauslösende (Boten-)stoffe in die Hufe und die Folgeschäden der Hufrehe können deutlich minimiert werden. Sie kann natürlich keine Schäden heilen, die bereits entstanden sind.
Aber sie kann vielleicht verhindern, dass vorhandene Schädigungen weiter voranschreiten.

Ob das klappt, ist in diesem Fall leider kaum vorherzusagen, da es ja offenbar (noch) keinen erkennbaren Auslöser für die Hufrehe gibt.

Nocheinmal zum Verständnis ein Beispiel:
  • Habe ich einen Fall, bei dem das Pferd zum Beispiel durch nächtliches Ein-/Ausbrechenbrechen in die Futterkammer/auf die Weide... in eine akute Hufrehe gerät, so kann eine direkt eingeleitete Kryotherapie über ca. 72h Schäden an den Hufen fast vollständig verhindern. Dies funktioniert, weil die Entgiftungsorgane des Pferdes es in etwa dieser Zeit schaffen, soweit "aufzuräumen", dass der Stoffwechsel des Tieres sich ausreichend gut wieder "sortiert" hat, so dass es kaum noch zu Schäden in den Hufen kommt.
  • Anders liegt das Problem, wenn das Pferd aus unbekannten oder z.B. aus hormonellen Gründen nicht aus der Rehe kommt (Bsple. Isulindysregulation, Probleme mit dem weiblichen Hormonhaushalt). Wenn man hier den Auslöser nicht abgestellt bekommt, kann die Kryotherapie die Symptome ggf. lindern, aber solang man die Auslöser nicht ermitteln und abstellen kann, rutscht das Pferd wahrscheinlich immer wieder in neue Schübe ab.
Wichtig ist daher die Frage - was ist hier der Auslöser?!

- wie ist der Futter- und Trainingszustand des Pferdes?
- Was bekommt sie an Futter?
- Gab es in letzter Zeit Medikamente (Antibiosen? Cortison?)
- Impfungen?
- Wurmkur?
- wie erfolgt die Hufbearbeitung? wann die letzte?
- Gab es irgendeinen Stress? Herde, Umzug, Ungewöhnliches?
- da die erste Rehe mit Fohlen im Bauch entstand - gibt es generell Auffälligkeiten mit der Rosse/dem Hormonhaushalt?

Wir empfehlen für die Kryotherapie gern die "Jack`s Ice Boots", da bei diesen das Schmelzwasser einfach ablaufen kann und man problemlos stetig neues Crushed Ice nachfüllen kann.
Jack`s Ice Boots
Jack`s Ice Boots
Falls diese nicht zu bekommen sind ist es auch schon vielen Pferdebesitzern gelungen kreative Lösungen zu finden:
Kryotherapie mit Regenhosen
Kryotherapie mit Regenhosen
Viele Grüße und Alles Gute
Nadja Politz
Lukka
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Lukka »

Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort.

Die Stute hat seit August 2023 einen Sehnenschaden (Fesselträger) und konnte daher leider nicht geritten werden. Nach kurzer Zeit, September bekam sie Atemproblemen die sie beim Fressen vom Boden von Heu in Form eines ganz leichten „Röschelns“ zeigte. Sonst hatte sie keine Beschwerden, weder Husten, noch Fieber oder Ähnliches. Das Geräusch war so leise, dass Außenstehende, die das Pferd nicht kennen die Geräusche nicht gehört haben. Am 28 Januar hat sie dann Equimucin verschrieben bekommen. Sie steht in einem Paddock und ist in dieser Zeit ausgebrochen, was jedoch schnell bemerkt wurde und hat 5 Minuten Gras gefressen. Was genau der Auslöser der Rehe ist, weiß ich deshalb leider nicht. Sie bekommt bedampftes Heu in einer zeitgesteuerten Heukiste und ein gutes Mineralfutter ohne Müsli oder Ähnliches. Der Hufschmied kommt alle 7 Wochen zum Ausschneiden. Wenn der Schub überstanden ist werde ich natürlich nochmal ein Blutbild mit Test auf Cushing oder EMS machen lassen.
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Nadja Politz
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Nadja Politz »

Hallo,

vielleicht sind die genannten Punkte:
  • Weniger Bewegung wegen Verletzung
  • + Luftprobleme & Equimucin
  • + der Ausbruch aufs Gras
zusammen genommen genug gewesen um den aktuellen Schub auszulösen.

Ist sie denn eher schlank oder tendenziell zu dick?

Um Pferden aus dem Schub zu helfen ist es häufig hilfreich möglichst kalorienarmes Heu zu füttern.
Eine schnelle Möglichkeit das vorhandene Futter in den Kalorien zu reduzieren ist das Baden. Mindestens 30min, gern 2h. Dadurch werden Zucker ausgeschwemmt. Am besten danach noch dämpfen, da das Bedampfen Keime reduziert.

Welches Mineralfutter bekommt sie?

Ein Foto der Stute von der Seite und Huffotos https://www.dhgev.de/huffoto-anleitung
sowie die Röntgenbilder wären hilfreich, um die Situation noch besser einschätzen zu können.

Viele Grüße
Nadja Politz
Lukka
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Lukka »

Vielen lieben Dank für die Antwort!

Bilder meiner Stute kann ich nachher am Stall machen. Anbei schonmal die Röntgenbilder. Könnten Sie mir Tipps für die Hufbearbeitung geben? Ich würde sie ungern beschlagen lassen, ich denke das schmerzt in diesem Zustand noch mehr?!
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Nadja Politz
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Nadja Politz »

Hallo,

auf den Röntgenbilder ist zu sehen, dass sich die Zehenwand vom Hufbein entfernt hat.
Eigentlich sollen der Rücken des Hufbeins und die Zehenwand parallel zueinander verlaufen (grüne Linien). Hier ist aber die Hornwand durch den Bodengegendruck nach vorn weggewichen. Das passiert, weil die betroffene Struktur im Huf - der Hufbeinträger, nicht mehr so hält, wie er es im gesunden Zustand zuverlässig tut. Das Gute ist, dass solch eine Wandrotation rückstandslos wieder "herauswachsen" kann, sobald die Auslöser der Hufrehe gestoppt wurden.
Lukka Wandrotation.jpeg
Lukka Wandrotation.jpeg
Dass diese bereits deutliche Rotation der Wand vorliegt (es ist KEINE Hufbeinrotation! Erläuterungen hierzu in den weiter unten empfohlenen Texten) lässt mich vermuten, dass Lukka schon länger ein Problem mit ihrem Stoffwechsel hatte und jetzt nur ein Tropfen gefehlt hat, der die stärkeren Rehesymptome hervorgerufen hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Ruhepause ihrer Stoffwechsellage nicht entgegenkam und sie niedrigkalorischer gefüttert werden muss. Vor allem so lange sie "steht".
Dabei ist es nicht wichtig (und auch nicht unbedingt richtig) weniger Raufutter zu geben, sondern Raufutter mit möglichst wenig Energie!

Mein wichtigster "Tipp" beim Umgang mit den Rehehufen ist:

Es ist zu akzeptieren, dass der Huf vorübergehend anders aussehen wird, als er es im gesunden Zustand getan hat!

Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass der Huf so aussieht wie vorher, dazu gehören vor allem
  • Trachten kürzen
  • starkes Zurücksetzen der Zehe (Zehenwandresektion)
sind absolut kontraproduktiv und müssen unterlassen werden.

Dr. Konstanze Rasch erklärt dies ausführlich in ihren Vorträgen:

Das Potential des Barhufes bei der Sanierung von Hufreheschäden Teil 1 von 4 (bitte alle anschauen)
https://www.dhgev.de/hufthemen/hufrehe/ ... eden#c2927

Wichtiger, als irgendwelche Tricks und Tipps, ist es, dass SIE zum Experten von Lukkas Situation werden.
Sie müssen herausfinden: Was sind die Reheauslöser und wie stelle ich diese ab. Und selber verstehen, welche Maßnahmen an den Hufen sinnvoll sind und welche nicht, um im Dschungel der Meinungen von Stallkollegen, Freunden, Tierarzt, Internet, Schmied... das Richtige für das eigene Pferd zu entscheiden.

Im Bereich HUFTHEMEN finden Sie weitere Erläuterungen und Erklärungen, was bei einer Hufrehe an den Hufen geschieht und wo man sich klug einschalten kann und was man dringend unterlassen muss, um die Lage nicht schlimmer zu machen, als sie bereits ist.

Ich empfehle zunächst diese Artikel zu lesen:

Was passiert bei Hufrehe undwie sind die Folgen für die Hufe?
https://www.dhgev.de/hufthemen/hufrehe/ ... anze-rasch

Hufrehe und Möglichkeiten der Sanierung
https://www.dhgev.de/hufthemen/hufrehe/ ... anze-rasch

Vielleicht finden Sie im Huforthopädenregister einen Kollegen/ eine Kollegin die in der Nähe ist und für die Zeit der Hufrehetherapie vor Ort hinzugezogen werden kann?!

Viele Grüße
Nadja Politz
Lukka
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Lukka »

Liebe Frau Politz,

vorneweg- DANKE für die Zeit, die Sie sich nehmen, um mit Ihrem großen Erfahrungsschatz und Fachwissen zu helfen!

Die Bilder der ersten Hufrehe 2016 als meine Stute tragend war habe ich ebenfalls beigefügt.
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Außerdem hatte sie im Sommer 2022 innerhalb von ein paar Wochen seltsame Löcher in der Hufsohle. Sie hat zu diesem Zeitpunkt aber nie gelahmt oder sonstiges, Befund: ich soll sie lediglich von matschigem/sandigen Paddock auf einen trockenen gepflasterten Paddock stellen. Das habe ich getan und sie Löcher sind verschwunden.
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Ein paar Monate später habe ich 2022 dennoch neue Röntgenbilder anfertigen lassen
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Seitdem bekommt sie bedampftes Heu in einer zeitgesteuerten Heukiste.

Anbei sende ich noch aktuelle Bilder der Hufe von heute.
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Sie würden mir also von einer Kürzung der Trachten und Zehe abraten? Ich weiß nicht weiter da der Reheschub mittlerweile schon 10 Tage anhält und keine Besserung in Sicht ist.

Liebe Grüße
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Nadja Politz
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Re: Kryotherapie nach einer Woche

Beitrag von Nadja Politz »

Hallo,

die Huffotos lassen mich vermuten, dass der Schmied immer vermehrt die Trachten kürzt.
Können Sie das bestätigen?
Ist das auch im "gesunden Zustand" ein Thema? Werden Ihre Hufe als "zu steil" empfunden und dagegen angearbeitet?
Das könnte auch die "Löcher in den Sohlen" im Sommer erklären, die ja glücklicherweise ohne weitere Probleme abgeheilt sind.

Die Zehenwand wurde ja belassen. Das ist erstmal gut.
Der Huf sollte grundsätzlich nur gleichmäßig in der Höhe gekürzt werden. Nicht in der Trachte mehr! Es ist ok, wenn der Huf nun erstmal steiler wird. Das reguliert sich alles von alleine wieder, wenn das Pferd aus der Rehe kommt und die Schäden dann rauswachsen.
Je mehr man das beschleunigen möchte und bearbeiterisch vorzeitig herstellen will, desto schlechter wird es funktionieren.

Bitte lesen Sie sich durch all unsere Informationen auf der Homepage. Auch bei den Huftagebüchern sind viele Hufreheverläufe dabei.
Auch das Buch "Diagnose Hufrehe" von Konstanze Rasch kann ich Ihnen ans Herz legen, um sich umfassend in das Thema einzuarbeiten.

Haben die Egel gut gebissen? Ggf. bringt dies Erleichterung.
Können Sie das Heu vor dem Dämpfen zusätzlich waschen?
Wie ist es denn mit der Kryotherapie? Wollen Sie das angehen?

Ansonsten schauen sie, was dem Pferd grad angenehmer ist - die Schuhe oder ein ganz weicher Untergrund, wo sie ihre Hufe so "eingraben" kann, wie es ihr aktuell angenehm ist. Sie braucht eine ruhige entspannte Umgebung. Keinesfalls Zwangsbewegung. Manchmal wirken auch die Schmerzmittel reheerhaltend. Vielleicht mal 2,3 Tage ohne probieren, ob es einen positiven Unterschied macht.

Ich bin ab heute Nachmittag für eine Woche im Urlaub. Meine Kollegin wird dann weiter hier antworten. Nur dass Sie sich nicht wundern.

Viele Grüße und alles Gute
Nadja Politz
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