extreme Hornspalten

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Ninaaa
Beiträge: 1
Registriert: 27.04.2024, 18:29

extreme Hornspalten

Beitrag von Ninaaa »

Hallo an Alle!
Mein Reitbeteiligungspferd hat extreme Hornspalten, die meiner Meinung nach unbedingt behandelt werden müssten. Die Frage ist vor allem: wie?
Meiner unfachmännischen Meinung nach, müsste der Druck dringend gemindert werden (es handelt sich um einen 850 kg schweren, knapp 6jährigen Shire). Die Besitzerin möchte ihn aufgrund anderer Problematiken aber täglich bewegen lassen, was meiner Ansicht nach aber für das Pferd sehr schmerzhaft durch die schlimmen Hornspalten in beiden Vorderhufen sein muss. Kennt jemand eine geeignete Behandlungsmethode? Und wie schätzt ihr das Reiten/Bewegen eines solchen Pferdes ein? Ich bin für alle Tipps und Einschätzungen dankbar!
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Britta Diedrich
Beiträge: 14
Registriert: 03.08.2020, 21:02

Re: extreme Hornspalten

Beitrag von Britta Diedrich »

Hallo Ninaaa,

Vielen Dank, dass Sie sich an unser Forum gewandt haben.
Ohne Frage sind die Phänomene an den Hufen Ihres RB-Pferdes beachtlich und bedürfen sachkundiger Bearbeitung.
Zunächst möchte ich jedoch grundsätzlich der Besitzerin Recht geben. Die regelmäßige und häufige Bewegung ist unabdingbar für die Gesundheit des Pferdes. Ohne dies würden sich noch ganz andere Konesequenzen für Körper und Psyche ergeben. Außerdem benötigen auch die Hufe unbedingt eine Beanspruchung. Die Bewegung liefert wichtige biomechanische Informationen zu Formung und Bildung des Horns. Eine eventuelle zukünftige huforthopädische Bearbeitung braucht die Abnutzung des Hufs, um hieraus Informationen für die individuelle Bearbeitung ziehen zu können. Mangelnde Bewegung wirkt sich unmittelbar negativ auf die Qualität der Hufe aus.
Zeigt das Pferd Schmerzhaftigkeit (an den Hufen)? Wenn ich nur von Ihren mitgesandten Fotos ausgehe, stimme ich zu, dass dies ein unbequemer Zustand ist, der idealer Weise zügig adressiert wird.
Man darf das Pferd aber auch nicht nur auf einzelne, eventuell schmerzhafte Bereiche reduzieren, sondern muss unbedingt das ganze Tier betrachten und das Maß der Bewegung und des Trainings hieran ausrichten. Ein Pferd und seine Bewegungsfähigkeit besteht nicht nur aus den Hufen.

Für die weitere Beurteilung möchte ich Sie bitten, weitere Fotos von den sauberen, ausgeräumten Hufen zu erstellen. Eine Anleitung dazu finden Sie hier: https://www.dhgev.de/huffoto-anleitung
Ein paar Tipps:
  • versuchen Sie den Behang mit einer kräftigen alten Strumpfhose, die Sie von unten über den Huf nach oben ziehen, hoch zu halten oder binden Sie mit einem oder mehreren Haargummis den Behang hoch oder bitten Sie jemanden, den Behang möglichst vollständig hochzuhalten.
  • richten Sie das Bild der Handykamera parallel zum Fesselbein aus und fokussieren Sie dann auf den Kronsaum. Wenn Sie sich an der Hornkapsel orientieren werden die Hufe meist nicht ganz frontal bzw. seitlich aufgenommen. Für Die Ansicht der Sohle richten sie das Handy ganz parallel zum Strahl aus.
Bitte erstellen Sie noch ein Ganzkörperfoto von der Seite.

So wie es auf Ihren Fotos aussieht, vermute ich, dass dieser Zustand bereits sehr lange andauert. Es scheint, dass sich bereits Narbenhorn gebildet hat. Dies bedeutet, dass bereits die Lederhaut, die das Horn bildet, die Form des Spalts angenommen hat und wahrscheinlich zeitlebens nur noch diese Form produzieren kann. So entsteht vom Kronsaum ausgehen stets eine „Falte“ im Wandhorn. Diese ist leider prädestiniert immer wieder einzureißen. Eine huforthopädische Bearbeitung könnte mit diesem Zustand jedoch umgehen und dafür sorgen, dass dieser unter Kontrolle gehalten wird, so dass keine Fäulnis entsteht oder weitere Zerstörungen der Hornkapsel passieren können.
Dann ist dies nur noch ein optischer Makel, der aber durchaus funktioniert und mit dem das Tier gut laufen kann.
Vielleicht könnte sich der Zustand bei einer anhaltenden und regelmäßigen huforthopädische Bearbeitung in den nächsten Jahren (!) auch wieder etwas entspannen. Ich habe bei Narbenhorn mit weniger starken Auspräung schon erlebt, dass nach ca. 4-jähriger Bearbeitung die „Falte“ schwächer wurde und der Bereich deutlich entspannter wurde. Die konsequente huforthopädische Behandlung hat die Gesamtsituation des Hufes verbessert und dies wirkt natürlich auch auf die Lederhaut zurück.

Wichtiger als dies ist m.E. jedoch, dass die gesamte Situation des Shire-Hufes verbessert wird.
Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen:
  • Wie und durch welche Fachrichtung (Schmied?) werden die Hufe bislang bearbeitet?
  • Wie häufig wird bearbeitet.
  • Wie lebt das Pferd? Im Offenstall oder in der Box? Wie ist in den Ausläufen der Boden beschaffen?
  • Wie häufig und wie lange darf das Pferd in den Ausläufen sein?
  • Wie wird das Tier trainiert und bewegt? Geht es ins Gelände? Wie oft, wie lange und wie ist die Bodenbeschaffenheit?
Neben der Hufbearbeitung sind dies wichtige Aspekte, die auf die Hufgesundheit einwirken und mit der Hufbearbeitung zusammenwirken.
Ich empfehle Ihnen, die Bearbeitung durch eine(n) meiner Kollegen/Kolleginnen. Konservative Bearbeitungsmethoden werden sehr wahrscheinlich nicht zu einer Besserung beitragen.

Beste Grüße,
Britta
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